Unfrisiertes

22.07.2005

Jetzt übertreibt er’s aber

Filed under: Kurioses - Rayson @ 13:47

Diverse Websites beschäftigen sich und hin wieder mit unserem Marcel von “Mein Parteibuch“. Seltsamerweise halten ihn die meisten davon noch für echt, dabei ist der Satire-Charakter der Site offensichtlich. Marcel hat langsam, aber allmählich die Absurdität seiner “Argumentation” gesteigert, so dass es mittlerweile eigentlich jeder mitbekommen haben müsste.

Spätestens die Art und Weise, wie er die Verbindung von Angela Merkel und Scientology aufdeckt, und wie er das unter die Leute bringt und alle Kommentare zum Teil seiner satirischen Aktion macht, ist wirklich gelungen.

Er findet eine Website, auf der die Firma genannt wird, für die Merkels Ehemann einmal gearbeitet hat, und der Google-Cache sagt ihm, dass auf einer Seite, die auf seine Fundstelle verweist, der Begriff “Scientology” enthalten ist. Wer das für echt hält, wird sich vermutlich erregen und darauf hinweisen, dass dann auch z.B. ein Großteil der US-amerikanischen Universitäten und der Leute, die mit ihnen in Verbindung stehen (u.a. einige SPD-Politiker), sowie die Post der USA, die Weltgesundheitsorganisation, Repräsentantenhaus und Senat der USA oder das Fritz-Haber-Institut in Berlin unter Scientology-Verdacht gestellt werden müssten, abgesehen von Bill Clinton, der dort selbst mehrmals direkt genannt wird. Kein Wunder, handelt es sich bei dem Text doch um die Kopie einer Ausgabe einer US-Wissenschaftszeitschrift.

Marcel setzt in den Kommentaren mit “Mal angenommen, Angela Merkel wäre nicht Mitglied von Scientology, wo finden sich denn dann die Mitglieder von Scientology oder ähnlichen Sekten? Welche Politiker sind denn dann Scientologen?” noch einen drauf. Und wer es jetzt nicht gemerkt hat, dessen Esel kann man auch mit reifen Tomaten totwerfen, ohne dass er etwas mitbekommt (oder wie hieß das bei “Asterix auf Korsika”?).

Noch witziger ist die Meta-Ebene der Sache: Unsere bloggerische Beschäftigung mit Marcels Witzeleien verschafft ihm viel bessere und direktere Links ;-) Er geht dann auch genüsslich in seinen Folgeeinträgen auf die durch seinen Ulk ausgelöste Resonanz ein.

Damit zeigt er die ganze Funktionsweise von Verschwörungstheorien auf:

  1. Über vier Ecken lassen sich im WWW fast alle beliebigen Verbindungen herstellen.
  2. Aus der Verbindung wird eine Story gebastelt.
  3. Durch die Beschäftigung anderer mit der Story bekommt sie die nötige Aufmerksamkeit.
  4. Man versucht, die Verschwörungstheorie durch ständige Wiederholung zum Fakt werden zu lassen.
  5. Irgendwelche Idioten fangen an, die Sache Ernst zu nehmen, und bei Anderen bleibt etwas im Hinterkopf zurück.

Das ist im konkreten Fall zwar völlig irrelevant, weil die komödiantische Absicht so eindeutig erkennbar ist, aber der Mechanismus funktioniert eben so auch bei anderen Dingen. Gut gemacht, mein Kompliment!

Frisch gestrichen

Filed under: Persönliches - Rayson @ 11:38

Warum soll man gute Dinge nicht nachahmen? Da mein Blog ja nur - wenn es denn so viele sind - von einer Handvoll Leute ab und zu besucht wird, kann ich zwischendurch ruhig mal wechseln, denke ich. WordPress ist wirklich deutlich funktionsreicher als die von Blogger.com verwendete Software.

Meinen alten Blog lasse ich erst einmal noch ein wenig weiterleben.

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