100 Tage Benedikt XVI
Nach Kardinal Meisner ist nun der neue Papst dran. SPON ist enttäuscht, dass da so wenig Medienwirksames rüberkommt, und straft den Papst durch die enttäuschten Urteile deutscher Links-Liberaler.
Und die ist groß: Weder führt er die Zulassung Geschiedener zur Kommunion (das ärgert SPON) wieder ein, noch schafft er das “Kondom-Verbot” ab (das ärgert den emiritierten Theoiogen Herrmann) oder wettert gegen den globalen Kapitalismus (das ärgert - na? - Heiner Geissler). Auch dass Ökumene gefälligst nur als Verständigung mit den Protestanten zu verstehen sei und nicht etwa mit den Orthodoxen (das ärgert die “Kirche von unten”), will einfach nicht in seinen Kopf. Unerhört, schließlich hat man doch mit dem Kircheneintritt das Recht erworben, die Religionsinhalte mitzubestimmen…
Ich könnte das ja entspannt sehen, schließlich habe ich mich gegen einen unfehlbaren Papst entschieden und für meine Kirche sind einige der Punkte auf der üblichen Beschwerdeliste kein Thema mehr, aber das wäre zu einfach. Was mich stört, ist dieser grundlegende Mangel an religiösem Verständnis (oder der Unwille dazu), der solche Artikel zu überflüssigen macht. Deswegen noch einmal ins Stammbuch: Eine Religion, die sich den gesellschaftlichen Moden oder auch nur Überzeugungen anpasst, hat keine weitere Daseinsberechtigung. In Teilen des Protestantismus wird diese Konsequenz auch offensichtlich. Natürlich darf man als Christ auch zu anderen Meinungen kommen als sie von der Glaubenskongration vertreten werden, bloß eben nicht nur, weil das gesellschaftlicher Mainstream ist, sondern weil es dafür Gründe in Schrift und/oder Tradition der Urkirche gibt. Wer von Christen anderes verlangt, respektiert sie nicht mehr als solche.
Ich will mich jetzt auch nicht groß darüber auslassen, inwieweit dieser von mir bedauerte Mangel mit dafür verantwortlich ist, dass es an der wirklich notwendigen Gesprächsbasis mit grundsätzlich friedliebenden Muslimen fehlt. Wenn wir ihm nur unter der Drohung von terroristischer Gewalt abzuhelfen bereit sind, sollten wir es lieber lassen.
