Professoraler Frust
Ich hatte das File schon etwas länger auf meiner Festplatte herumliegen, doch erst der Anstoß von EuroNeuzeit hat mich jetzt die Sonderausgabe des ifo-Schnelldiensts lesen lassen, in der Hans-Werner Sinn seine These der “Basar-Ökonomie” untermauert. Eine etwas längere Fußnote (Nr. 69 übrigens) lässt Einiges von dem Frust erahnen, der jemanden wie ihn ab und zu packen muss:
Der Mainstream der deutschen Professoren der Volkswirtschaftslehre stimmt heute der so genannten neoklassischen Synthese zu, nach der es, je nach Wirtschaftslage, klassische und keynesianisch verursachte Arbeitslosigkeit geben kann, und die weitaus überwiegende Mehrheit sieht sicherlich den Löwenanteil der aktuellen deutschen Arbeitslosigkeit als klassisch an. Dessen ungeachtet neigen die Medien dazu, die kleine Gruppe der Keynesianer so zu präsentieren, dass die Öffentlichkeit den Eindruck der Gleichgewichtigkeit haben muss. So ist es zum Beispiel ein Faktum, dass bis auf eines alle Mitglieder des Sachverständigenrates und wohl alle Mitglieder des großen wissenschaftlichen Beirates beim Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit nicht keynesianisch orientiert sind.
Auf internationaler Ebene sind die Verhältnisse noch eindeutiger. Nur ein winziger Teil der Fachökonomen der Welt käme auf die Idee, die deutschen Probleme keynesianisch zu erklären. Mit dem dogmatischen Keynesianismus, der in Deutschland von interessierter politischer Seite gepflegt wird, macht sich das Land in den Augen der internationalen Fachöffentlichkeit lächerlich. Vgl. L. Siegele, »Four Wise Men and a Woman – The Modernization of a Feudal Profession,« The Economist; 20. Januar 2005, S. 32 f.
