Praktische Erfahrung?
In Sachen Bundestagswahl habe ich eigentlich schon resigniert und mich mit einem sozialdemokratischen Kurs in Richtung Abstieg abgefunden, ob nun die SPD am Steuer sitzt oder ihre Schwesterpartei CDU/CSU. Aber so manche Wahlkampfsprüche sind dann doch gar zu köstlich, um sie unkommentiert zu lassen.
So meinte Bundeskanzler Gerhard Schröder lt. SPON bei der Vorstellung von Angela Merkels “Kompetenzteam” zur Personalie Kirchhof:
“Er hat keine praktischen Erfahrungen.”
Wohlgemerkt, das verstand er als Kontrapunkt zu seinem Kabinett aus Lehrern und Juristen, die überwiegend ein Dasein als Berufspolitiker hinter sich haben. Dazu passt auch folgendes Zitat aus derselben Meldung:
Schröder habe sein Kabinett mit Bedacht ausgewählt, sagte Vize-Regierungssprecher Thomas Steg. Seine Minister zeichneten sich ohnehin durch Erfahrung und Kompetenz aus.
Ich habe es befürchtet.

Schröder hat Recht, Kirchhof hat keine praktischen Erfahrungen [b]mit[/b] einer großen Volkspartei Politik zu machen, als parteiloser Quereinsteiger.
Das macht ihn nicht automatisch zu einem schlechteren Politiker, oder gar Minister, kann aber zu einem starken Erfolgshemmnis werden.
Comment by nite owl — 18.08.2005 @ 2:53
Lehrer haben halt zuviel Zeit.
Um genau zu sein, es sind in der Bundesregierung:
- sieben Juristen
- vier Pädagogen
- eine Programmiererin
- ein Sozialwirt
- einer ohne Berufsabschluss
Der sagt auf die Frage nach dem Beruf immer “Außenminister”
Ich habe dann auch für’s “Kompetenzteam” geguckt:
Angela Merkel - Physikerin
Paul Kirchhof - Jurist
Wolfgang Schäuble - Jurist
Günther Beckstein - Jurist
Annette Schavan - Theologin (und Erzieherin?)
Ursula von der Leyen - Ärztin
Norbert Lammert - Sozialwissenschaftler
Gerda Hasselfeldt - Volkswirtin
Dieter Althaus - Lehrer
Deutlich vielfältiger, mal sehen was davon bleibt. Wobei - der letzte Physiker in der Bunderegierung war ja ganz schnell wieder weg
:-D
Aber sind wir mal ehrlich. Wenn einer über seine Parteifreunde in diversen Ämter spricht, dann leisten die immer “hervorragende” Arbeit. *gähn* Diese Rhetorik ist in den 25 Jahren, in denen ich das nun mitbekomme abgedroschen und sollte jedem Politiker langsam peinlich sein.
Comment by marcc — 18.08.2005 @ 12:21
@Nite Owl
Schröder hat es bewusst so breit formuliert, dass es durch das zu rechtfertigen ist, was du sagst, aber eine andere Bedeutung unterschwellig mit suggeriert werden sollte.
Comment by Rayson — 18.08.2005 @ 12:59
@marcc
Eben. Deswegen habe ich diesen Passus mit der “hervorragenden Arbeit” auch schon gar nicht mehr erwähnt…
Comment by Rayson — 18.08.2005 @ 13:00