Unfrisiertes

17.08.2005

Sünde und Sünder

Filed under: Kirchliches - Rayson @ 17:42

Wenn es denn der einzige Erfolg des Weltjugendtags der römisch-katholischen Kirche bliebe, dass sich mehr Menschen Gedanken über das Christentum machen, dann wäre er das Geld, das für ihn unweigerlich auszugeben ist, schon damit wert.

Im Blog der “Achse des Guten” fand ich heute einen amüsanten Beitrag von Burkhard Müller-Ulrich, der aus meiner Sicht, natürlich angemessen überspitzt, die Unterschiede von Protestantismus und Katholizismus treffend auf den Punkt bringt. Nur im letzten Absatz seines Textes verheddert er sich meines Erachtens etwas, wenn er auf den Ablass zu sprechen kommt, denn der ist, so abstrus er uns auch vorkommen mag, für diesen grundlegenden Unterschied, den Müller-Ulrich vorher so schön geschildert hat, eigentlich unerheblich. Ohrenbeichte würde reichen ;-)

Aber so wie er würde ich das cum grano salis auch sehen: Die Römer haben die bessere Show, und ihre angeblich so strenge Moral ist durch Tausende von Schlupflöchern, ähnlich unserem auch mit zunächst hohen Sätzen drohenden Steuersystem, sehr menschlich-rücksichtsvoll gestaltet worden. Für Sünde und ein Leben als Sünder qualifiziert man sich in der römisch-katholischen Kirche vielleicht sehr schnell, aber wenn man sich aus dem unerschöpflichen Topf der Rituale angemessen bedient, macht das eigentlich eher nix. Da haben es die Protestanten, die das ganz individuell und ernsthaft mit Gott selbst ausmachen müssen, wirklich schwieriger. Es sei denn, sie sind Calvinisten und reich, aber das ist eine andere Geschichte …

Ich meine, es gibt die römisch-katholische Kirche nur deswegen noch in ihrer weltumspannenden Form, weil sie für den unweigerlichen Konflikt zwischen wirklichem Leben ihrer Gläubigen und kirchlich-moralischem Anspruch viele quasi institutionelle Lösungsmöglichkeiten vorsieht, die zur Not auch beliebig wiederholbar sind. Glaube keiner, die Jugendlichen in Köln seien alle Musterbeispiele vatikanischer Sexualmoral. Müssen sie auch nicht: Unter dem drohenden Zeigefinger ist noch genug Platz zurück in den Schoß von Mutter Kirche.

Wie sympathisch.

P.S. Der Verfasser dieser Zeilen ist, ausweichlich seiner kirchlichen Links, einer dieser Spielverderber, die diese praktizierte Lebenshilfe eher als listige Stärkung von nicht wirklich katholischen Institutionen auf Kosten des Glaubens betrachten…

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