Oskar Lafontaine, dem Streiter wider die Ungerechtigkeit gegenüber der ignoranten Arroganz, wird immer wieder vorgeworfen, dass er ein Luxusleben führe, aber gleichzeitig Umverteilung predige.
Ich frage mich, warum das in dieser Republik ein Vorwurf ist. Schließlich ist es bei uns Usus, nicht einfach das, was wir für richtig halten, selbst zu praktizieren, sondern den Staat aufzurufen, uns dazu zu zwingen. Wir gieren nach Freiheitsverlust, weil wir es nicht ertragen könnten, wenn andere unserem hehren moralischen Handeln nicht folgen und sich damit in einer Position halten, die wir insgeheim doch als die bessere einstufen. Der Schaden, die eigene Freiheit eingeschränkt zu sehen, wird in unserer Neidgesellschaft dadurch kompensiert, dass Andere mitmachen müssen.
Beispiel: Tempo 100. Wieviele der Menschen, die für eine Geschwindigkeitsbeschränkung von 100 km/h eintreten, halten sich schon jetzt, also oft freiwillig, daran? Oder sollte der Genuss, die Fahrer PS-schwerer Boliden durch staatliche Macht auf das eigene Niveau herunterbremsen zu können, wichtiger sein als der Anspruch an sich selbst?
Lafontaine ist nur konsequent. Ob er darüber hinaus glaubwürdig ist, ist eine andere Frage. Ein Reicher, der zu seiner vermehrten Besteuerung aufruft, könnte hier vielleicht einen Bonus beanspruchen. Wenn nicht gerade das der Förderung seines Reichtums dienlich wäre…