Brutale Gerechtigkeit, Teil III
Dem Ministerpräsidenten Niedersachsens, der großen westlichen, männlichen Hoffnung der CDU, Christian Wulff, verdanken wir einen neuen Gerechtigkeitsbegriff: Die “gefühlte” Gerechtigkeit. “Gefühlte Gerechtigkeit” nach Wulff (im “Spiegel”) verlangt, dass jemand, der 1,5 Millionen Euro im Jahr über den Freibeträgen verdient, einen höheren Prozentsatz seines Einkommens an Steuern zahlen als jemand, der 50.000 Euro darüber liegt.
Man beachte die tariftechnische Neuerung, die progressive Wirkung von Freibeträgen absichtlich und grundlos auszuschalten. Offensichtlich handelt es sich bei der “gefühlten Gerechtigkeit” aber auch um eine Art “Luxusgerechtigkeit”, denn das Problem, beim zu versteuernden Einkommen 50.000 Euro über den Kirchhoffschen Freibeträgen zu liegen, würden sich viele Bundesbürger geradezu wünschen.
Wann merkt Merkel eigentlich, dass sie Vorsitzende einer sozialdemokratischen Partei für Besserverdienende ist?

Hätte Frau Merkel Alfred Grosser mal vor (auweia, schon so lange her) über 10 Jahren im ARD-Presseclub Alfred Grosser zugehört, dann wüsste sie das. Der sagte damlas, dass Deutschland eigentlich zwei sozialdemokratische Parteien hat.
Und daran hat sich nichts geändert. Mein Problem mit der Union sind deren nicht so demokratischen Anflüge wie Mindestwahlbeteiligung bei Hochschulwahlen oder Pseudodemokratie vorspiegelnde Unterschriftenaktionen gegen doppelte Staatsbürgerschaft/Türkeibeitritt.
Comment by marcc — 27.08.2005 @ 18:30