Was hinten rauskommt…
Es gibt sie noch, die Naiven wie Schloerby, die Wahlkampf gerne mit einer argumentativen Auseinandersetzung verwechseln würden. Sehr sympathisch, diese Wirklichkeitsferne.
Statt dessen geht ja noch nicht einmal mehr rudimentär um Inhalte. Die könnten wir auch ganz weglassen. Es gelten weiter die alten Vorwahlgesetzmäßigkeiten: Eine Partei legt dann zu, wenn kommuniziert wird, dass sie zulegt. Das war so, als Schwarz-Gelb noch vorne lag (oder glaubte tatsächlich jemand, dieses im Kern sozialistisch denkende und fühlende Volk lechzte nach liberalen Reformen?), das ist jetzt so, wo der Trend in eine andere Richtung läuft. Ein erheblicher Teil der Wähler möchte nämlich vor allem bei den Gewinnern sein.
Ein kleines Experiment: Fragen Sie doch mal jemanden, der das Merkel-Schröder-Fernsehduell nicht gesehen hat, wer dieses denn gewonnen habe. Und dann fragen Sie ihn nach den Argumenten der beiden Kandidaten zu einem beliebigen in der Sendung angesprochenen Thema. Das Ergebnis ist nicht schwer vorherzusagen, weil die mediale Kommunikation das eine lauthals transportiert hat, das andere aber nicht. Was nun wiederum auch kein Wunder ist, denn um den Ausgang eines Wettrennens zu verkünden, brauche ich noch nicht einmal einen Nebensatz.
Somit ist der Ausgang dieser Wahl klar, sollte nicht ein besonderes Ereignis eintreten, das einen Zugewinn der Union (von den kleinen Parteien reden wir mal nicht, deren Schwankungen sind Zufallsvariablen) wahrscheinlich erscheinen und über die Kette der sich selbst erfüllenden Prophezeihungen dann auch wahr werden lässt.

Das war eigentlich ziemlich genau das, was ich mit den Begriffen “Umfragemehrheit” ausdrücken wollte. Ich muss einfach dringend an meiner Kommunikations- sprich Ausdrucksfähigkeit arbeiten.
Comment by apollon — 10.09.2005 @ 15:41
Bessere Argumente habe ich beim TV-Duell nicht gehört. Es waren die gleichen Stereotypen wie sonst auch — eben eher langweilig. Für mich war es aber so, dass Frau Merkel keinesfalls bei diesem Duell schlechter abgeschnitten hat. Ich war ehrlich gesagt einigermassen überrascht. Die Presse hat’s letzten Endes wieder mal geschafft, das Ergebnis quasi umzudrehen.
Comment by apollon — 10.09.2005 @ 15:45
Wenn das Volk im Kern sozialistisch denkt und fühlt dann ist es doch demokratisch, wenn liberale Positionen keine Mehrheit finden?
Comment by marcc — 11.09.2005 @ 0:42
Steht hier irgendwo das Gegenteil? Im Gegensatz zu Volksbeglückern aller Art versucht der Liberale ja auch nicht, dem Rest der Welt seine Sicht der Dinge aufzuzwingen, sondern behält sich nur ein Sezessionsrecht vor. Stichwort Australien
Comment by Rayson — 11.09.2005 @ 11:00
Auswanderung von Liberalen nach Australien ? Da müssen wir zusätzlich zum Sozialismus noch eine Reichsfluchtsteuer einführen. Mit konfiskatorischen Charakter, natürlich. Success stories von ausgewanderten Liberalen hören sich viel besser an, wenn man schreiben kann: der liberale Deutsche kam mit nichts als der Kleidung auf dem Leib ins Land und brachte es zu Reichtum.
Comment by Klaus Brüssel — 12.09.2005 @ 10:13
Nix dagegen. Die Sozis hier können dann meine bescheidenen Habseligkeiten ruhig verprassen.
Comment by Rayson — 12.09.2005 @ 10:15
Mal sehen was die bescheidenen Habseligkeiten hergeben:
1. Computer
2. Möbel
3. PKW
4. Kleidung
5. eingezahlte Rentenbeiträge
6. eine überflüssige Niere
Comment by Klaus Brüssel — 12.09.2005 @ 10:45
1. ist eh im Moment veraltet, in dem man ihn kauft
2. schlepp ich eh nicht übern Teich
3. kann ich nicht gebrauchen, ist eh Linksverkehr drüben
4. ist sowieso zu dick für Australien
5. hab ich eh abgeschrieben
6. soweit kommt es bei den Sozis noch…
Comment by Rayson — 12.09.2005 @ 11:35