Merkels Wahlkampffehler
Jetzt, wo der Trend sich wieder als Genosse zu entpuppen scheint, beginnt die Kritik an der Spitzenkandidatin der Union, Angela Merkel. Hat sie eklatante Fehler im Wahlkampf begangen?
Nach Wessi-Verständnis ganz klar. Sie hat auf Inhalte statt auf Show gesetzt. Das werden die Ossis nie begreifen. Aber sie hat auch, voller Misstrauen gegen eine ihr feindlich gesinnte Macho-Wessi-Umgebung, den starken Merz beleidigend abserviert, so dass dessen provozierter Abgang in der Union eine schmerzliche Kompetenzlücke hinterließ. Das war ein doppelter Fehler. Einmal, weil Merz in der West-CDU ungleich besser vernetzt ist und auch ein angeblich loyaler Wulff ein ganz bestimmtes Ziel hat. Dann weiterhin, weil sie versuchte, die Lücke mit einem ehemaligen Verfassungsrichter zu füllen. Dabei weiß doch jeder, dass Verfassungsrichter erstens immer Recht haben wollen und zweitens sich über alle Politkzänke erhoben sehen. Den letzteren Gefallen tat Rot-Grün Herrn Kirchhof allerdings nicht und ging ihn - für einen Mann wie ihn völlig ungewohnt - hart und polemisch bis zur Lüge an. Da den Deutschen der Horror, ihr Nachbar könnte ein PS mehr unter der Motorhaube haben, zur Existenzfrage gerät, ließ sich das theoretisch so schöne Konzept des Jura-Professors auf dem Altar der Hauruck-Politik wunderbar zerreißen. Merkel sah sich plötzlich gezwungen, ein Modell zu verteidigen, das die CDU gar nicht vertrat. Das muss man als handwerklichen Fehler ansehen.
Kirchhof war sicher eine Überforderung der Wähler. Aber reicht sowas, um sieben Jahre Stillstand für besser zu halten?
