Merkels Wahlkampffehler
Jetzt, wo der Trend sich wieder als Genosse zu entpuppen scheint, beginnt die Kritik an der Spitzenkandidatin der Union, Angela Merkel. Hat sie eklatante Fehler im Wahlkampf begangen?
Nach Wessi-Verständnis ganz klar. Sie hat auf Inhalte statt auf Show gesetzt. Das werden die Ossis nie begreifen. Aber sie hat auch, voller Misstrauen gegen eine ihr feindlich gesinnte Macho-Wessi-Umgebung, den starken Merz beleidigend abserviert, so dass dessen provozierter Abgang in der Union eine schmerzliche Kompetenzlücke hinterließ. Das war ein doppelter Fehler. Einmal, weil Merz in der West-CDU ungleich besser vernetzt ist und auch ein angeblich loyaler Wulff ein ganz bestimmtes Ziel hat. Dann weiterhin, weil sie versuchte, die Lücke mit einem ehemaligen Verfassungsrichter zu füllen. Dabei weiß doch jeder, dass Verfassungsrichter erstens immer Recht haben wollen und zweitens sich über alle Politkzänke erhoben sehen. Den letzteren Gefallen tat Rot-Grün Herrn Kirchhof allerdings nicht und ging ihn - für einen Mann wie ihn völlig ungewohnt - hart und polemisch bis zur Lüge an. Da den Deutschen der Horror, ihr Nachbar könnte ein PS mehr unter der Motorhaube haben, zur Existenzfrage gerät, ließ sich das theoretisch so schöne Konzept des Jura-Professors auf dem Altar der Hauruck-Politik wunderbar zerreißen. Merkel sah sich plötzlich gezwungen, ein Modell zu verteidigen, das die CDU gar nicht vertrat. Das muss man als handwerklichen Fehler ansehen.
Kirchhof war sicher eine Überforderung der Wähler. Aber reicht sowas, um sieben Jahre Stillstand für besser zu halten?

Kirchhoff ist vorallem eine Überforderung der Union und ich glaube das all das Theater um den “Professor aus Heidelberg” vorhersehbar war.
Ihn für die Union zu gewinnen war denke ich kein Fehler, aber sowohl Kirchhoff als auch die Union hätten sich besser diesbezüglich vorbereiten müßen.
Comment by nite owl — 13.09.2005 @ 1:24
Schon bei seiner Nominierung hatte ich erwartet, daß die Union für Kirchhof das größte Problem sein würde, was sich in den letzten Tagen auch bewahrheitet hat. Die pöbelhaften Angriffe der SPD-Proleten (”Professor aus Heidelberg”) hätte eine geeinte Union leicht abwehren können, aber ein Verein in dem jeder seine Suppe kocht, seine Klientel schützen möchte, vom “deutschen Gerechtigkeitsgefühl” faselt und sich auf eine Kandidatur in 2009 vorbereitet, war dazu leider nicht fähig.
Comment by C. Lapide — 13.09.2005 @ 9:07