Unfrisiertes

12.10.2005

China-Böller

Filed under: Persönliches - Rayson @ 22:27

Mein 100. Beitrag auf diesem Blog sollte sich nur mit dem wirklich Wichtigen beschäftigen. Gestern dachte ich noch, das sein Open Source und Free Software, aber heute habe ich natürlich erkannt: Es kann nur um Fußball gehen.

Ich habe mir heute 90% des Länderspiels Deutschland-China angetan. Es war - aus reiner Konsumentensicht, die im Fernsehsessel erlaubt sein muss - die Zeit nicht Wert. Aber ein paar grundsätzliche Bemerkungen drängen sich mir doch auf:

1. Deutsche Stadionzuschauer generell und Hamburger speziell sind kein gutes Länderspielpublikum. Sie nehmen - wie ich im Fernsehsessel - die Konsumentenposition ein und pfeifen erbarmungslos die deutsche Mannschaft aus, wenn sie ihnen keinen drückend überlegenen Fußball mit vielen Toren bietet. In anderen Ländern dagegen wird treu die eigene Mannschaft angefeuert, das Publikum versteht sich nicht als Konsument, sondern als “12. Mann”. Man gewinnt zusammen und man verliert zusammen. In Deutschland gewinnen immer “wir”, aber die “DFB-Auswahl unter Bundestrainer XY” verliert.

2. Rubenbauer ist besser als sein Ruf. Seine Wortspiele mögen manchen frustrieren - ich mag sie (”der Schiedrichter setzte den Blinker anders”). Aber extrem wohltuend war der Unterschied zu seinem Vorgänger aus dem Türkei-Spiel, der in der Manier des “was ich immer schon mal loswerden wollte” zu einer Litanei ansetzte, statt das Spiel zu kommentieren.

3. Es gibt keine Garantie, dass eine “große” Mannschaft eine “kleine” Mannschaft mit vielen Toren Differenz abfertigt, wenn sie es nicht muss. Zahlreiche Ergebnisse des Qualifikationsspieltags zeugen davon. Nur von der deutschen Mannschaft, der im selben Atemzug meist noch mindere Qualität attestiert wird, fordert man im eigenen Land solche unrealistischen Ergebnisse.

Fazit: Ob die Mannschaft WM-reif ist, kann man bezweifeln. Dass die Zuschauer, die Medien und die Bundesliga es nicht sind, steht dagegen fest.

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