Neulich auf heise.de…
Die Nachricht auf heise.de, dass die neueste Version von Ubuntu (eine für Linux- und Unix-Unkundige sehr geeignete, aber nicht auf diese beschränkte Distribution) freigegeben wurde, löste natürlich das heise-typische Troll-Gewusel aus.
Auf das Getrolle des Forumteilnehmers “Zinn40″ (siehe hier), dass Ubuntu doch ach so schwer zu installieren sei, antwortete “Shmoo” in einer genialen Art und Weise wie folgt:
Hallo,
ich habe mir die “Windows XP Home Edition” gekauft und installiere es gerade auf meinem Rechner als “Dual-Boot OS” neben Gentoo.Also der Installationsscreen ist ja schonmal absolut entäuschend, alles nur im DOS-like-Modus (Textbasiert -und das wo ich doch von Windows schon so tolle Bilder gesehen habe)
Meine Maus funktioniert da schonmal nicht.Ich bin jetzt gerade bei der Partitionierung und versuche Windows auf hdb zu installieren, aber der Installer will das nicht und sagt, dass “C:\Windows” auf der ersten Partition der ersten Festplatte liegen muss.
Ich finde das voll Scheisse. Bevor ich die CD aber wieder zum Händler zurückbringe werde ich Windows noch eine zweite Chance geben.
Ich muss ja nur eben das erste System starten, die fstab anpassen und dann die Platten umstecken.So, jetzt habe ich die Platten umgesteckt und neu gejumpert; meine fstab angepasst, dass mein Gentoosystem auch auf hdb läuft und kann mit der Windowsinstallation weiter machen.
Also geschwind ans Werk und die Partitionierung durchgeführt, aber was ist denn das? Ist das etwa fdisk ? *schauder*. Also mit fdisk in der Textversion kam ich noch nie sonderlich gut zurecht – also zurück.
Vielleicht macht mir der Installer ja einen Vernünftigen Vorschlag zum aufteilen der Festplatte – mal gucken. Hm, also ich finde hier keine Möglichkeit die Partitionierung von Windows machen zulassen – es gibt nichtmal ein cfdisk.
Also muss ich da wohl doch von Hand ran. Also C:\ bekommt 3 GB, soll ja nur ein Spiele-OS werden. Die restlichen 57 GB gehen an D:\ - aber was ist denn das ?
Da bleiben ja 8 MB übrig ? Was soll denn bitte schön das ? Ach egal, ich will das System jetzt installieren. Jo, er installiert jetzt…
oeben teilt mir mein Windows mit, dass es noch
“Ungefähr 37 Minuten benötigt”Kann ich denn irgendwo mitverfolgen, was gerade geschieht oder wieviel Prozent schon installiert sind ?
So, die “ungefähr 37 Minuten” sind doch schon ein bisschen schneller vorbei gegangen.
Das hatte ich aber auch erwartet, denn ich habe erst letzte Woche neben einer Armani-Uhr, einem Porsche und einem Haus im Grünen in der Nähe von Frankfurt einen neuen Rechner von meinem BWL-IT-Beratungs Honorar gekauft.
Das beste ist ja schließlich gerade gut genug für mich und ein popeliger AthlonXP 3000+ mit 1 GB RAM reichen gerade so als Zweitrechner für mich aus.Also habe ich mir ein AMD X2 (natürlich 64 Bit) mit 4 GB RAM gekauft… aber ich schweife ab – zurück zu Windows:
Ich habe den Händler gefragt, ob diese Version von Windows XP schon 64 Bit unterstützt – da hat er mich ein wenig verwirrt abgeguckt.
Aber egal, ich unterstütze die Wirtschaft und hab es trotzdem gekauft.Ich hatte eben den ersten Neustart – Hilfe!!! Was muss ich jetzt machen ?
Muss die CD im Laufwerk bleiben oder startet er jetzt direkt von Platte.
Naja, egal – ich habs herausgefunden.Aber was ist denn das ? Da begrüßt mich ja immer noch keine tolle Luna-Optik.
Stattdessen hab ich da einen Bildschirm in 640x480er Auflösung. Das wird ja immer entäuschender.Okay, jetzt gehts ans Einstellen der Uhr und des Datums, aber meine neue Logitech-USB-Maus tut gar nichts. Zum Glück habe ich ein PS2- Keyboard angeschlossen.
Gut, Datum und Uhrzeit eingestellt – Passwort für den Administrator eingetippt, den Rechnernamen eingestellt und einen Benutzer angelegt.
Hmm, schon wieder die nächste Hürde – Rechnername und Benutzer dürfen nicht identisch sein ? Also flugs eine “1” angehängt und schon gehts weiter.
So so,
ich vermisse meinen Bootmanager – irgendwie ist der abhanden gekommen während der XP – Installation. Macht nix, kann ich ja mit ner Live-CD wieder installieren.Jetzt habe ich also dieses XP installiert – sieht ja schon ganz nett aus – ich bin ja ein Freund von “Eyecandy”. Aber die Auflösung ist mir noch ein wenig zu klein. Also – wie ich es von KDE kenne – einen Rechtsklick auf dem Desktop.
Puh es gibt ja gar kein “Arbeitsfläche einrichten” also mal in die Eigenschaften geguckt. Okay, da hab ichs, aber irgendwie hat der meine GeForce 7800 GTX nicht erkannt – da steht was von Standardtreiber und die Auflösung bekomme ich nicht so wie ich will.
Aber es gibt beim Kauf von Hardware ja immer CDs dazu. Also flugs die Nvidia-CD rausgekramt, eingelegt und die Treiber installiert.
Wo installiert man denn Treiber hin ? Gibts hier schon ein Verzeichnis /lib und /bin ?
Ach du meine Güte ist das unordentlich hier. Wie kann man nur mit Backslashes arbeiten ohne sich die Hände zu verrenken ?Egal, ich lass den Nvidia-Installer einfach machen.
Warum will XP denn jetzt schon wieder neustarten ? Kann man die Graphische Oberfläche nicht separat killen und Neustarten ? Ein CTRL-ALT-BACKSPACE macht schonmal nichts. Also ein Neustart.Wenn ich jetzt schonmal dran bin installiere ich alle Treiber – ich hab mir sagen lassen, dass man ansonsten auch Probleme mit dem Netzzugang bekommt.
Muss ich eigentlich jedes mal neu starten nach ner
Treiberinstallation, oder kann ich auch alle auf einmal installieren und dann Neu starten ?Naja, gut mache ich das erstmal.
Weiter gehts – die Treiber sind alle installiert.
Eines kann ich diesem XP ja zugute halten: Die Installation von Treibern geht einfach. CD einlegen und auf Installieren klicken. Die Unterstzützung durch Hardwarehersteller ist vorbildlich.
Blöd finde ich nur, dass ich nicht an den Windows.Kernel komme. Unter Linux kann ich nicht benötigte Hardware “abschalten” und mir ein schlankes System zurecht machen. Mit Windows habe ich den Eindruck, dass sich das System nicht schlank halten läßt, sondern immer mehr drauf und drüber installiert wird.
Aber jetzt kommt schon die nächste Entäuschung: Die Softwareausstattung:
Das macht ja jede Linuxdistribution besser (ausser ein DSL, Gentoo und LFS).Ich will ja mit dem System spielen, aber manchmal muss man doch noch schnell was arbeiten ohne das andere System zu booten.
• Was soll ich bitteschön mit einem popeligen Editor, der keinerlei Syntaxhighlighning beherrscht. Selbst für nano brauche ich mir nur eine .nanorc zu erstellen oder im Netz zu suchen.
Meine .tex-files brauche ich hiermit nicht angucken – die Zeilenumbrüche kann ich nicht verwenden.• Ein Wordpad, das weder .doc, noch .sxw ordentlich verarbeitet.
• keinen mp3/ogg/DivX/XviD-player dabei hat.Dafür hab ich Solitär, Freecell und ein Pinball dabei – hervorragend.
Zum Glück habe ich die c’T Softwarekollektionen aufbewahrt und brauche nicht im Netz nach Software für mein System suchen.
Bis ich hier fertig sein werde ist es später Abend.
Spielen kann ich sofort, aber wenn ich auch produktiv Arbeiten möchte, werde ich noch eine Weile beschäftigt sein und frühestens heute Nacht oder Morgen anfangen können.Da ich auch fleißiger Heiseforumleser bin weiß ich, daß ich keinen Virenscanner und keine Firewall brauche – denn wer nicht auf den “bösen Seiten” rumsurft dem passiert auch nichts, hmmm ?
Alles in allem ist XP für meinen Geschmack ein Anfängersystem bei dem mir suggeriert wird, daß das arbeiten mit Computern total einfach sei und ich auch keine Möglichkeiten habe verbessernd einzugreifen.
Beispiele hierfür sind, dass ich nichtmal Tastenkombinationen für Aktionen festlegen kann, und auch das Standardverhalten des “Windowmanager” nicht an meine Gepflogenheiten anpassen kann (Doppelklick auf die Titelleiste, u.s.w.).Dafür brauche ich nicht denken, sondern kann mit Doom3 sofort anfangen Zombies abzuknallen.
Mein Fazit daher: Ich bin froh Windows und sonstige MS-Produkte durch freie Alternativen ersetzt zu haben.
Shmoo
P.S: Die Installation von Windows XP wurde an dieser Stelle nicht durchgeführt, sondern die Beschreibungen stammen aus einer 4 Wochen alten Erfahrung, um XP tatsächlich als Spielesystem einzusetzen.
Nach der Erstinstallation habe ich mich jedoch wieder entschlossen XP runterzuwerfen, die etwas älteren Spiele, die mit Cedega weiterzuspielen und die 60 GB in mein Linuxsystem einzuhängen.Dieser Beitrag ist ein tatsächlicher Trollversuch, der mit Humor (Ironie/Sarkasmus) gespickt ist. Ich habe mir vorbehalten die entsprechenden Tags im Text weg zu lassen.
Daraufhin verwies ein anderer Teilnehmer auf diesen Beitrag hier, der einen ähnlichen Tenor hat. Fazit: Windows ist “einfach”, weil man seine Macken gewohnt ist.
Man kann die Texte aber auch mit einer anderen Sicht lesen. Einem Linux-Anwender sind nämlich viel Dinge völlig selbstverständlich, die ein Windows-Anwender nie vermissen wird. Wenn ich mit meinem Windows-Rechner oder dem meiner Liebsten zu tun habe, fange ich immer mehr an, detaillierte Zugänge zu den Zuständen von Systemkomponenten zu vermissen. WLAN unter Linux einzurichten ist zwar - wie beschrieben - alles andere als eine Kaffeepause, aber ich bekomme wenigstens vom System einen Haufen Hinweise, was wie läuft und woran es hapern könnte. Auch an die Laufwerksgrenzen ignorierende Verzeichnisstruktur gewöhnt man sich schnell. So langsam bekomme ich ein Gespür für die Faszination dahinter: Wer einmal gewohnt ist, nur sich selbst und nicht den Hersteller oder irgendwelche Hardwarelieferanten als Herrn des eigenen Systems zuzulassen, der will dieses Gefühl nie mehr missen.

Ach verflucht, du machst mich doch wieder neugierig auf Linux. Ich sehe schon kommen, wie ich in nicht allzu ferner Zukunft wieder meine Zeit damit verschwenden werde…
Comment by dointime — 15.10.2005 @ 18:14
So lange du mich nicht mit irgendwelchen Konfigurierungsfragen belästigt…
Nee, aber ehrlich: Mit Kanotix oder Ubuntu sollte es eigentlich - DSL vorausgesetzt - nur noch bei sehr störrischer Hardware Probleme geben.
Comment by Rayson — 16.10.2005 @ 12:22
Hmm, das ging mal wieder schnell:
Bin gerade dabei, Kanotix per Live-CD auszuprobieren. Doch, gefällt mir irgendwie…
Comment by dointime — 16.10.2005 @ 14:15
Ohne jetzt zu viel Werbung machen zu wollen: Das Forum von Kanotix ist ziemlich einzigartig. Wenn man sich nicht zu dumm anstellt und nicht eine Frage postet, die schon zwanzigmal vorher dran war, stehen bei einem Problem die Chancen nicht schlecht, dass der “Meister” persönlich antwortet (neben anderen engagierten Teilnehmern).
Comment by Rayson — 16.10.2005 @ 14:32
ubuntu bzw. kubuntu rulez (je nach plaisir) :O)
Comment by back2frog — 22.10.2005 @ 1:07