Unfrisiertes

6.11.2005

Kinderspiel

Filed under: Computerisches - Rayson @ 18:11

Man hat ja sonst nix zu tun am Sonntag…

Nach einem “apt-get dist-upgrade” gestern abend stellte ich heute morgen mit Schrecken fest, dass mein Nvidia-Treiber nicht mehr funktionierte. Also setzte ich die xorg.conf erstmal auf “nv” und forschte nach. Ergebnis: Ein Kernel-Update auf 2.6.14 musste her, wenn ich wieder auf den Original-Nvidia-Treiber zurück wollte. Das erforderte dann doch einiges Nachdenken, immerhin drohten Neukompilierung bzw. Neueinrichtung meines WLAN-Wrappers DriverLoader und meines Windows-Gastgebers VMWare. Nachdem ich im VMWare-Forum den Link auf einen Patch gefunden hatte und feststellte, dass es mittlerweile eine grafische Oberfläche für Kanotix-Updates aller Art gibt, entschloss ich mich zu dem kleinen Abenteuer.

Ich installierte “Kanotix-Update-GUI” und startete das Kernel-Update. Es funktionierte reibungslos. Zwischendurch fragte es mich, ob ich einige Module laden wollte. Nach einer Sichtung der gezeigten Liste entschied ich, keins davon zu nehmen und übersprang diesen Punkt. Damit die mit Neukompilieren verbundene Einrichtung meiner beiden Sorgenkinder funktionieren konnte, brauchte ich dann noch die Original-Kernel-Quellen. Dumm, wenn das WLAN eines dieser Sorgenkinder ist - also stellte ich den Rechner auf den Boden in die Nähe der Tür und schloss ihn mit einem 5m-Kabel an den Router. Dann rief ich guter Dinge, es hatte schließlich früher schon einmal gut geklappt, Kanos Skript “install-kernel-source-vanilla.sh” auf. Beim ersten Mal konnte es einen Patch nicht installieren, weil sourceforge.net den Zugang verweigerte. Eine Wiederholung löste dieses Problem (zum Glück erkennt das Skript die bereits geladenen Dateien). Dennoch brach das Skript am Ende mit einer “Datei oder Verzeichnis nicht gefunden”-Meldung ab. Immerhin nannte die Fehlermeldung auch die Zeilennummer des Skripts. Und tatsächlich machte ich einige relative Verzeichnis- und Dateiaufrufe als Fehlerquellen aus. Ich ersetzte sie durch die absoluten Pfade und das Skript lief locker durch.

Jetzt wollte ich mit “dldrconfig -ka” wie von Linuxant empfohlen meinen Driverloader zur Neueinrichtung veranlassen, aber der motzte zurück, er finde “modpost” nicht. Als einfacher Linux-Jünger ohne Ambitionen zum Kernel-Hacker sagte mir das erstmal nichts. Immerhin fand ich im Source-Verzeichnis unter “scripts/mod/” einige Dateien, die verdächtig danach aussahen, dass es etwas mit ihnen zu tun haben könnte. Nur fehlten im Vergleich zum Unterverzeichnis der Quellen des vorher verwendeten Kernels einige ausführbare Dateien. Was tun? Nach einigem Grübeln kam mir die Erleuchtung: Die fehlenden Dateien werden angelegt, wenn man Module in den Kernel einbaut, also genau das tut, was ich zunächst beim Kernel-Update übersprungen hatte. Ich startete das Update also noch einmal, woraufhin ich vom Skript korrekterweise angemeckert wurde, dass ein entsprechendes Verzeichnis für meinen Kernel schon bestehe. Ich nutzte die Option zum Abbrechen, aber der Rest lief einfach weiter bis wieder zu der Stelle, wo ich Module auswählen sollte. Ich klickte also einige davon an, von denen ich meinte, dass sie mir irgendwann vielleicht doch von Nutzen sein könnten, und wartete gespannt auf das Ergebnis des Durchlaufs: Sieh da, die fehlenden Dateien prangten im Verzeichnis, und DriverLoader richtete sich klaglos neu ein. Ächz…

Jetzt noch VMWare. Patch aufgerufen, und los ging’s. Bis das Konfigurationstool mir klugscheißenderweise mitteilte, der neue Kernel sein mit einer anderen Version kompiliert worden als ich jetzt VMWare zu kompilieren gedachte. Komisch, normalerweise beschwert sich DriverLoader über solche Situationen auch - warum blieb denn der ruhig? Aber ok, jedem Tierchen sein Plaisirchen, als musste der symbolische gcc-Link mal kurz gelöscht und neu angelegt werden. Jetzt aber! Dachte ich, aber Pustekuchen: Schnell wurde ich über die mir bis dahin völlig entgangene existenzielle Bedeutung der Datei “cc1plus” aufgeklärt. Keine Ahnung, wo ich die herkriege, also wieder Herrn Google befragt, und auch hier wusste ein schlauer Mensch Antwort: Man soll dann “g++” installieren. Ich wählte also in Synaptic die Version g++-4.irgendwas aus (da der gcc-Link jetzt auch auf 4.0 lag), rief noch einmal den VMWare-Patch auf und schooooooon lief auch das.

Jetzt zurück zum eigentlichen Anlass der Installationsorgie: dem Nvidia-Treiber. Also “install-nvidia-debian.sh” und warten. Der Treiber wird installiert und - Textbildschirm?? Was muss ich jetzt wieder anpassen? Nichts, einfach nur aussitzen: Ein paar Sekunden später wird der Treiber geladen und der kdm-Dialog erscheint in voller Pracht auf dem Bildschirm.

Also, man kann sagen, was man will: Mit diesen neuen Distris ist Linux echt ein Kinderspiel geworden…

P.S. Bevor ich zugeflamed werde: Ich weiß, dass Debian Sid eher nichts für Installierfaule ist ;-) . Wer sich solchen Stress ersparen will, nimmt eben (K)Ubuntu oder macht keine Upgrades.

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