Unfrisiertes

10.11.2005

Kann ja mal vorkommen

Filed under: Betriebswirtschaftliches - Rayson @ 12:23

Der US-Autoriese General Motors (ich liebe diese abgegriffenen journalistischen Formeln) hat jetzt bekanntgegeben, er habe sich im Gewinn des Jahres 2001 um schlappe 300 bis 400 Millionen Dollar zu seinen Gunsten vertan. Lieferantenkredite seien irrtümlich als Einnahmen gebucht worden. Ja, wer hat dafür kein Verständnis? Passiert uns das nicht auch hin und wieder, dass wir den Kredit, den wir von unserer Bank bekommen, mit einem Zinsertrag oder eine Dividende verwechseln? Wir sind doch alles nur Menschen.

Sowas ist ja bei den Amis in der letzten Zeit schon öfter vorgekommen. Insbesondere die IT-Branche entdeckte so manche “Fehlbuchung”. Seltsam nur, dass in keinem einzigen Fall ein Fehler nachträglich zu einem höheren Gewinn geführt hat. Es muss eine eigenartige Nachlässigkeit sein, die zum Zeitpunkt ihres Auftretens immer nur positive Folgen für das Management hat und immer erst dann mit Rückwirkung entdeckt wird, wenn sich ein Verlust im laufenden Jahr sowieso nicht vermeiden lässt.

Die hartleibigen Zyniker unter uns, die nicht mehr motivierbaren über 40jährigen, haben wahrscheinlich eine ganz eigene Vorstellung davon, was da abging.

Januar 2002:

CFO (mit leiser Stimme): “Du, uns fehlen 400 Millionen Dollar, um die Analystenerwartungen zu erfüllen!”
CEO (leicht panisch): “Einen Kursrückgang kann ich, äh, können wir uns jetzt aber gar nicht leisten! Tu gefälligst was für dein Geld!”

CFO (forsch): “Ok, Buddy, buch doch mal eben die Lieferantenkredite, die unser Einkauf neulich ausgehandelt hat, als Einnahmen.”
Buchhalter (zögernd): “Aber die Grundsätze ordnungsmäßiger…”
CFO (unwirsch) : “Hör mal zu… Haben wir das Geld oder nicht? Und hat die Presse nicht geschrieben, die Kredite seien ein Gewinn für uns? Also!”
Wirtschaftsprüfer (verstört): “Aber nach den US-GAAP…”
CFO (maliziös): “Hatten wir schon über unseren Beratungsbedarf im nächsten Jahr gesprochen?”
Wirtschaftsprüfer (mit Dollarzeichen in den Augen): “Gut, einen gewissen Spielraum muss man bei der Rechnungslegung ja auch haben…”

November 2005:

Lieferant am Telefon (zornig): “Verdammt, wo bleibt mein Geld, das ich euch vor vier Jahren für ein paar Monate geliehen habe?”
CFO (nervös): “In diesen schwierigen Zeiten müssen auch unsere Partner einen Beitrag….”
Lieferant am Telefon (unterbricht, Stimme wird lauter): “Steck dir deinen Partner sonstwohin! Die 20% Preisreduzierung war schon übel genug, und dass ich vier Jahre keine Zinsen bekommen habe, geschenkt. Aber jetzt will ich mein Geld zurück, sonst gibts Moskau-Inkasso!”

CFO (zum Buchhalter): “Was haben Sie denn da für einen Mist gebaut? Warum ist der Kredit als Einnahme gebucht?”
Buchhalter (verdutzt): “???”
Wirtschaftsprüfer (äußerlich überrascht): “Ja, jetzt, wo Sie’s sagen…”

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