Unfrisiertes

20.08.2005

Orientierungsproblem

Filed under: Politisches, Kirchliches - Rayson @ 13:22

Manche Leute scheinen sich einfach in die Organisationen, denen sie angehören, nur zufällig verirrt zu haben. Das gilt für Oswald Metzger genau so wie für den hier.

17.08.2005

Sünde und Sünder

Filed under: Kirchliches - Rayson @ 17:42

Wenn es denn der einzige Erfolg des Weltjugendtags der römisch-katholischen Kirche bliebe, dass sich mehr Menschen Gedanken über das Christentum machen, dann wäre er das Geld, das für ihn unweigerlich auszugeben ist, schon damit wert.

Im Blog der “Achse des Guten” fand ich heute einen amüsanten Beitrag von Burkhard Müller-Ulrich, der aus meiner Sicht, natürlich angemessen überspitzt, die Unterschiede von Protestantismus und Katholizismus treffend auf den Punkt bringt. Nur im letzten Absatz seines Textes verheddert er sich meines Erachtens etwas, wenn er auf den Ablass zu sprechen kommt, denn der ist, so abstrus er uns auch vorkommen mag, für diesen grundlegenden Unterschied, den Müller-Ulrich vorher so schön geschildert hat, eigentlich unerheblich. Ohrenbeichte würde reichen ;-)

Aber so wie er würde ich das cum grano salis auch sehen: Die Römer haben die bessere Show, und ihre angeblich so strenge Moral ist durch Tausende von Schlupflöchern, ähnlich unserem auch mit zunächst hohen Sätzen drohenden Steuersystem, sehr menschlich-rücksichtsvoll gestaltet worden. Für Sünde und ein Leben als Sünder qualifiziert man sich in der römisch-katholischen Kirche vielleicht sehr schnell, aber wenn man sich aus dem unerschöpflichen Topf der Rituale angemessen bedient, macht das eigentlich eher nix. Da haben es die Protestanten, die das ganz individuell und ernsthaft mit Gott selbst ausmachen müssen, wirklich schwieriger. Es sei denn, sie sind Calvinisten und reich, aber das ist eine andere Geschichte …

Ich meine, es gibt die römisch-katholische Kirche nur deswegen noch in ihrer weltumspannenden Form, weil sie für den unweigerlichen Konflikt zwischen wirklichem Leben ihrer Gläubigen und kirchlich-moralischem Anspruch viele quasi institutionelle Lösungsmöglichkeiten vorsieht, die zur Not auch beliebig wiederholbar sind. Glaube keiner, die Jugendlichen in Köln seien alle Musterbeispiele vatikanischer Sexualmoral. Müssen sie auch nicht: Unter dem drohenden Zeigefinger ist noch genug Platz zurück in den Schoß von Mutter Kirche.

Wie sympathisch.

P.S. Der Verfasser dieser Zeilen ist, ausweichlich seiner kirchlichen Links, einer dieser Spielverderber, die diese praktizierte Lebenshilfe eher als listige Stärkung von nicht wirklich katholischen Institutionen auf Kosten des Glaubens betrachten…

28.07.2005

100 Tage Benedikt XVI

Filed under: Kirchliches - Rayson @ 19:38

Nach Kardinal Meisner ist nun der neue Papst dran. SPON ist enttäuscht, dass da so wenig Medienwirksames rüberkommt, und straft den Papst durch die enttäuschten Urteile deutscher Links-Liberaler.

Und die ist groß: Weder führt er die Zulassung Geschiedener zur Kommunion (das ärgert SPON) wieder ein, noch schafft er das “Kondom-Verbot” ab (das ärgert den emiritierten Theoiogen Herrmann) oder wettert gegen den globalen Kapitalismus (das ärgert - na? - Heiner Geissler). Auch dass Ökumene gefälligst nur als Verständigung mit den Protestanten zu verstehen sei und nicht etwa mit den Orthodoxen (das ärgert die “Kirche von unten”), will einfach nicht in seinen Kopf. Unerhört, schließlich hat man doch mit dem Kircheneintritt das Recht erworben, die Religionsinhalte mitzubestimmen…

Ich könnte das ja entspannt sehen, schließlich habe ich mich gegen einen unfehlbaren Papst entschieden und für meine Kirche sind einige der Punkte auf der üblichen Beschwerdeliste kein Thema mehr, aber das wäre zu einfach. Was mich stört, ist dieser grundlegende Mangel an religiösem Verständnis (oder der Unwille dazu), der solche Artikel zu überflüssigen macht. Deswegen noch einmal ins Stammbuch: Eine Religion, die sich den gesellschaftlichen Moden oder auch nur Überzeugungen anpasst, hat keine weitere Daseinsberechtigung. In Teilen des Protestantismus wird diese Konsequenz auch offensichtlich. Natürlich darf man als Christ auch zu anderen Meinungen kommen als sie von der Glaubenskongration vertreten werden, bloß eben nicht nur, weil das gesellschaftlicher Mainstream ist, sondern weil es dafür Gründe in Schrift und/oder Tradition der Urkirche gibt. Wer von Christen anderes verlangt, respektiert sie nicht mehr als solche.

Ich will mich jetzt auch nicht groß darüber auslassen, inwieweit dieser von mir bedauerte Mangel mit dafür verantwortlich ist, dass es an der wirklich notwendigen Gesprächsbasis mit grundsätzlich friedliebenden Muslimen fehlt. Wenn wir ihm nur unter der Drohung von terroristischer Gewalt abzuhelfen bereit sind, sollten wir es lieber lassen.

27.07.2005

Die Terroristen sind unter uns

Filed under: Kirchliches - Rayson @ 21:29

Der “Spiegel” hat eine neue Bedrohung unserer freiheitlichen Grundordnung ausgemacht. Einen “gefürchteten” “Gotteskrieger”, “Fundamentalisten” und “Hardliner”. Ein Fall fürs BKA? Sekunde.

Es geht um den Kölner Kardinal Meisner. Offensichtlich handelt es sich hier um einen wenig reformfreudigen Katholiken, doch dass er die Lehren seiner Kirche nicht vertreten würde, kann man ihm kaum nachsagen. Gut, ein wenig vorkonziliare Gesinnung mag schon auch im Spiel sein - nicht ohne Grund hat der Mann Probleme mit Kardinal Lehmann, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Interessant ist aber vor allem, welche Maßstäbe unser lieber “Spiegel” an katholische Bischöfe anlegt. Wer “Abtreibung, Gleichberechtigung für Homosexuelle und sexuelle Libertinage” nicht befürwortet, sondern sich sogar dagegen ausspricht, ist anscheinend semantisch schon auf das Niveau eines Osama bin Laden zu setzen. Ich weiß nicht, ob sich der “Spiegel” dessen bewusst ist, aber wer auch immer seine Mitgliedschaft in der römisch-katholischen Kirche hinreichend Ernst nimmt, kann nicht anders, als in diesen Punkten dem Kardinal Meisner beizupflichten.

Mir ist unverständlich, warum säkulare Linke bis Liberale von einer Institution wie der römisch-katholischen Kirche erwarten oder gar verlangen können, dass sie ihre Werturteile übernehmen solle. Das geht nicht ohne Selbstaufgabe, so einfach ist das. Eine Kirche, die sich nur dem Zeitgeist anpasst, hat nichts mehr mit Gott zu tun. Egal, wie man die Haltung der römisch-katholischen Kirche zu bestimmten Fragen beurteilt - als Christen können wir unsere Maßstäbe nur aus dem beziehen, was uns die Schrift und (so sieht es meine Richtung) die Tradition der Urkirche bezeugt. Und selbstverständlich kommen Christen auf dieser Basis durchaus zu anderen Auffassungen als der besagte Kardinal Meisner - nur müssen wir um Verständnis bitten, dass wir nicht jede gesellschaftlich herrschende Auffassung deswegen gleich voll und ganz übernehmen. Damit müssen wir und der “Spiegel” vielleicht leben.

Dass die Wortwahl des Artikels und die kaum versteckten Seitenhiebe des Autors den Meisnerschen Konservatismus gerade in diesen Tagen in die Nähe islamistischer Selbstmordattentäter rücken, ist für alle Gegner des Kardinals ein herber Rückschlag. Für solche Freunde können sich kritische Katholiken nur bedanken.

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